Dialog zwischen Tanz und Orgel

Ester Ambrosino gastiert in Denstedter Kirche

 

Zu einem Improvisationsabend "Tanz und Orgel" wird am 4. Juli in die Kirche von Denstedt eingeladen (Beginn: 20 Uhr). Dabei ist die sizilianische Tänzerin Ester Ambrosino zu erleben, die aus der Schule von Pina Bausch hervorgegangen ist und seit einigen Jahren das Tanztheater Erfurt leitet. Sie improvisiert gemeinsam mit Michael von Hintzenstern, der in die restaurierte Liszt-Orgel kürzlich eine Winddrossel einnauen ließ, die den Orgelklang zum Fließen bringt und neue Klang-Horizonte eröffnet. 

Das Programm erinnert an die Wurzeln des Tanzes. Es dürfte weithin nämlich unbekannt sein, dass das griechische Wort "Choros" ursprünglich Tanzplatz bedeutete und den Chor der Kleriker vor dem Altar bezeichnete. Der Fachausdruck "Choreographie" erinnert noch daran, dass der Chorus in den antiken Religionen und helenistischen Mysterien eine Tanzgruppe war. Ausgerechnet jenes Wort wurde bei der Übertragung der hebräischen Bibeltexte in die griechische und lateinische Sprache zur Kennzeichnung des Gotteslobes verwendet!

In Psalm 149,4 heißt es von den Kindern Zions: "Sie sollen loben seinen Namen im Reigen: mit Pauken und Harfen sollen sie ihm spielen", und in Psalm 150,4 steht die Aufforderung: "Lobet den Herrn mit Pauken und Reigen; lobet ihn mit Saiten und Pfeifen." Wo Luther "Reigen" übersetzt, steht in der griechischen und lateinischen Bibel "chorus", und wo er von Pfeifen spricht, redet die griechische und lateinische Bibel von "organum".

Karten zu 10 Euro (ermäßigt: 8 Euro) in der Tourist-Information, Markt 10, 99423 Weimar, Telefon: (03643) 745-745, Mail: tourist-info@weimar.de

www.lisztorgel.de

neue bauhauskapelle


Die neue Bauhauskapelle wurde anläßlich des 75. Jahrestages des „Internationalen Kongresses der Dadaisten und Konstruktivisten“, der am 25. September 1922 in Weimar stattfand, im Jahre 1997 von Daniel Hoffmann (Trompete/Flügelhorn/Gesang) ins Leben gerufen. In verschiedenen Besetzungen erinnert sie an die Anfang der 1920er Jahre durch den ungarischen Pianisten Andor Weininger gegründete Bauhauskapelle und die durch Jazz und Folklore inspirierten Improvisationen „einer Gruppe von Malern, Bildhauern und Musikern, die auf Ausflügen in die Umgebung von Weimar ihre Zuhörer zum tanzen hinrissen“. Zielpunkte waren dabei nicht nur Kneipen oder Dorfgasthäuser, wie das Ilmschlößchen in Oberweimar, sondern auch Ateliers, Werkstätten und einige von Feininger gezeichnete Dorfkirchen.

Zu ihrer Blütezeit wurde die Bauhauskapelle oft als „Bauhaus-Jazz-Kapelle“ bezeichnet, was damit zusammenhängen mag, daß sie mit besonderer Leidenschaft zum Tanz aufspielte, wie sich T. Lux Feininger, ein ehemaliges Mitglied später erinnerte.

Neben dem Jazz spielten auch folkloristische Einflüsse aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Rußland, des Balkans und des damaligen Palästinas eine wichtige Rolle und es liegt nahe, sich die Bauhauskapelle als eine der ersten „Crossover-Jazzbands“ bzw. deren frühesten Vorläufer vorzustellen. Eine kleine Titelauswahl, wiederum von T. Lux Feiniger, unterstützt dies: „Die Namen der Stücke waren an sich schon bezeichnend für ihre Eigenart. Zum Beispiel, wenn Weininger sagte: ´Wir spielen den ´Russischen´´, so wußte jeder, daß in D-moll anzufangen war. Der  ´Ungarische´ in E-moll usw. Ein hinreißender Tanz des Namens ´Der Chromatische´ muß aus dem Repertoire einer längst verschollenen Militärkapelle entnommen sein, so wie die bekannteste aller Bauhausmelodien, der Bauhaus Marsch, dessen Anfang zu den Worten ´Itten-Muche-Mazdaznan´ gesungen werden konnte und als ´Bauhauspfiff´ international bekannt war. ´Unika´ und ´Matuto´ deuten auf Abstammung vom Mittelmeer, während ´Bo-la-bo´ ganz dadaistisch klingt.“ Aus diesen Schilderungen wird deutlich, daß sich bereits in den ersten Jahren der Bauhauskapelle ein einzigartiges und markantes musikalisches Profil entwickelt haben muß, ein echtes Bauhausprodukt.

In diesem Zusammenhang spielt auch die orginelle Orchestrierung eine besondere Rolle. In ihren ersten Besetzungen hatte die Kapelle noch keine Bläser, auch weil ein Saxophon, eine Klarinette oder Posaune Anfang der 1920er Jahre, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, kurz nach Beendigung des ersten Weltkrieges für einen Studenten ein unerschwingliches Luxusgut war. Aber wie so oft, machte die Not auch erfinderisch:

„Neben Pauke und Trommel hatte das Schlagzeug noch Holzblock und Kuhglocken- nicht nur schwingend am Galgen hängend, sondern auch eine selbstgebaute Anlage für Fußbetrieb. Diese, der sogenannte „Frosch“, bestand aus zwei derben Holzbrettern, an einem Ende mit Scharnier vereinigt, und auseinanderklaffend mittels einer starken Spiralfeder am anderen, an welchem zwei sich gegenüberstehende Messingbecken befanden. Ein wuchtiger Fußtritt im rechten Moment erzeugte einen Höllenkrach; hatte man gut gezielt so blieb der „Frosch“ auf seinem Platz, wenn nicht, so schnellte ihn die Sprungfeder außer Reichweite -

woher er seinen Namen bekommen haben mochte.“ Weiterhin beschreibt Feininger das Musizieren mit Bumbaß „Flex-a-ton“, Lotosflöte oder „Swaneewhistle“ und rühmt die Fähigkeit Xanti Schawinskys manche Instrumente gleichzeitig und mit einer solchen Besessenheit gespielt zu haben, das man an einen „Veitstanz“ erinnert wurde. Auch auf Ihren sommerlichen Wanderungen in Weimars Umgebung oder auf den zahlreichen Festen, wie dem alljährlichen „Drachenfest“ verstand es die Bauhauskapelle zu Tränen zu rühren und zum Tanzen hinzureissen.





Kontakt: Daniel Hoffmann, 0171-98 18 788, mail@blue-daniel.com